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Wer bildet hier
eigentlich wen aus?

Ein Azubi bedient eine KI-Anwendung selbstverständlicher als die Fachperson vorne im Raum. Kein Einzelfall — ein Muster. Die eigentliche Frage heisst nicht, ob KI die Ausbildung ersetzt.

Anlass
IHK Cottbus, Ausbildungstagung 2026
Termin
1. Oktober 2026, 13:25–15:00 Uhr
Format
95 Min. Impuls, Live-Demo, Praxisblock

01 — Der Rollentausch

Der Rollentausch ist kein Zukunftsszenario. Er läuft bereits.

In vielen Betrieben sind Auszubildende in der Anwendung von KI-Tools weiter als ihre Ausbilder:innen. Die Forschung zum kognitiven Offloading zeigt, wie sich Erwartung, Tempo und Tiefe der Wissensverarbeitung verändern — besonders bei jenen, die mit diesen Werkzeugen aufgewachsen sind.

Wer weiter davon ausgeht, Wissen fliesse nur in eine Richtung, verliert nicht die Kontrolle über den Inhalt, sondern über die Glaubwürdigkeit. Autorität begründet sich neu: nicht über Wissensvorsprung, sondern über Einordnungsvermögen.

02 — Drei Denkfallen

Drei Effekte machen den eigenen Rückstand unsichtbar.

Dunning-Kruger-Effekt

Wer wenig über KI weiss, hält die eigene Kompetenz für ausreichend — und merkt den Rückstand zuletzt.

Mirror-Effect

Das eigene Nutzungsverhalten wird unreflektiert auf die Azubis übertragen: «So wie ich es mache, machen es alle.»

Framing-Effect

Wie eine Aufgabe formuliert ist, entscheidet, ob KI als Bedrohung oder als Werkzeug wahrgenommen wird.

Fünf-Schritt-Routine, live durchgespielt

  1. 1. Stopp
  2. 2. Denken
  3. 3. Nutzen
  4. 4. Prüfen
  5. 5. Erklären
«Öffne KI nicht, um die Aufgabe loszuwerden. Öffne KI, um deine eigene Lösung besser zu prüfen.»

03 — Die neue Rolle

Nicht «Hat die Maschine geschrieben?», sondern: Was kann diese Person erklären, prüfen und übertragen?

Je schneller Information verfügbar ist, desto weniger entscheidet reine Wissensvermittlung über den Ausbildungserfolg. Die Technologie soll arbeiten — Intelligenz und Menschenfaktor kommen von uns.

Erstentwurf vor KI

Der Azubi zeigt zuerst die eigene Lösung — erst danach kommt das Werkzeug ins Spiel.

KI als Sparringpartner

Das Werkzeug prüft, schärft und widerspricht. Es ersetzt die eigene Denkleistung nicht.

Transfer ohne KI

Eine neue, kurze Aufgabe ohne Werkzeug zeigt, ob wirklich verstanden wurde.

04 — Interaktiver Block, 35 Minuten

Jetzt wird gearbeitet. In Gruppen, mit KI, mit laufender Uhr.

  1. 3 Min.

    Gruppen bilden

    4 bis 5 Personen pro Tischgruppe, Bestuhlung gibt die Gruppen vor.

  2. 12 Min.

    Gruppenname und Bild mit KI

    2 Min. eigene Position notieren, 7 Min. gemeinsam mit KI entwickeln, 3 Min. Entscheidungen begründen.

  3. 10–15 Min.

    Pitches

    5 bis 6 zufällig gezogene Gruppen pitchen live, alle anderen laden ihr Bild digital hoch.

  4. 8 Min.

    Kahoot im Team-Modus

    Ein Gerät pro Tisch, Live-Rangliste. Am Gerät sitzt selten die Person mit dem höchsten Titel.

Suchen Sie in den nächsten Wochen bewusst eine Situation, in der Sie sich von einem Azubi etwas zeigen lassen.

Der Rollentausch ist ein Ausbildungsinstrument, kein Kontrollverlust.

Handout «Ausbilden mit KI»

  • Fünf-Schritt-Routine als Poster für den Ausbildungsplatz
  • Nutzungsblatt: Aufgabe, Tool, Datum, Zweck, Übernommenes, Verworfenes, Begründung
  • Drei-Stufen-Architektur: Mindeststandard, Pilot, Konsolidierung — «Was tun ab Montag»
  • Merksatz und Perspektivwechsel-Zitat als druckbare Karten

Die Frage ist nicht, ob KI die Ausbildung ersetzt. Die Frage ist, wer in einem Jahr wen unterrichtet.

Kontakt

Roger Basler de Roca

Referent, Dozent an zwei Berufsschulen und Doktorand zum Thema kognitives Offloading. Anfragen zu Vortrag, Handout und Umsetzung im Betrieb.

Disclaimer

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